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Reihe: Redensarten, Redewendungen, Sinnsprüche, Sprichwörter

Das Redaktions-Team hat mir nach einer Idee die Aufgabe gegeben, ab und zu eine sog. Redensart zu suchen und aufzubereiten.

Ich habe betreffende Literatur und versuche, aus den unzähligen Beispielen eine interessante Redensart oder Redewendung, einen Sinnspruch oder ein Sprichwort in Erinnerung zu bringen.

Es ist schon erstaunlich, was da alles zwar wie selbstverständlich gesprochen wird, aber meist nicht bekannt ist, woher es kommt bzw. was es bedeutet!

Ich weise darauf hin, dass es manchmal unterschiedliche Überlieferungen und Meinungen der Fachgelehrten gibt - und kann darum keine Garantie auf die Richtigkeit geben - aber interessant ist es jedenfalls! - Viel Freude!

Im Auftrag der Redaktion: Hermann Kuntz, Pfr. i. R., Hauenstein


Bürstenbinder...

... - s. alter Beruf in Ramberg bei Annweiler, Pfalz - mit Bürstenbinder - Museum!

"Saufen wie die Bürstenbinder" - Sinn: maßlos, unmäßig, große Mengen trinken.
Die Redensart hat mit den Bürstenbindern nichts zu tun. In der Studentensprache war "bursa" die gemeinsame Kasse der mittelalterlichen Studentenvereinigungen bzw. -verbindungen. Ihre Mitglieder hießen "bursen", später "Burschen". Da die Studenten gerne getrunken haben, wurde aus dem Hauptwort "Burschen" das Zeitwort "burschen", bürschen", "bürschten", später "bürsten" für trinken. Vom falsch verstandenen "bürsten" bis zum Bürstenbinder war dann nur noch ein kleiner Schritt.
- (nach Krüger, Redensarten, Wiesbaden, 1960, S. 55).

Dazu: Wir sagen in der Pfälzischen Mundart auch: "Er hän äner geberrscht".
- (H. Kuntz; Pfr.)

Der Dichter Uhland wendete es in seinem Schwank "Schenk von Limburg" an:
"Nun macht die Jagd mich dürsten /
Drum tu mit das, Gesell /
Und gib mir ein zu bürsten /
Aus diesem Wasserquell!" -
- (nach dem "Pilger" in der Reihe "Woher der Ausdruck")

Vielleicht passt dazu die Redensart: "Sich einen hinter die Binde gießen". - Diese seit 1850 bekannte Redensart ist nach der Halsbinde der Männer benannt, hinter der manch guter Tropfen verschwand.

Dazu: In dem Wort Bürsten-Binder wären alle zwei Ausdrücke sinnvoll vereint.
- (H. Kuntz, Pfr.)
- (nach Krüger, Redensarten, Wiesbaden, 196, S. 55 u. 564)


Blauer Montag - "Blau machen"

Arbeitsfreier Montag - Ausdruck nach den Wollfärbern. Die mit Färberwaid, einem sich an de Luft schnell bläudenden, indigoartigen Farbstoff, gefärbte Wolle ließ man den ganzen Sonntag über im Bad, um sie montags ander Luft trocknen zu lassen.

So konnten die Gesellen montags ohne zu arbeiten "blau machen"! (nach Krüger, Redensarten, Wiesbaden, 1960, S. 39)


Das kann kein Schwein lesen

Pfälzisch: Des kann kä Sau läse!" - Das kann kein Mensch lesen!

Im 17. Jh. gab es in Schleswig eine Gelehrtenfamilie namens Swyn (plattdeutsch für "Schwein"). Zu ihr kamen die des Lesens und Schreibens unkundigen Bauern, um sich Briefe oder Urkunden vorlesen oder Schriftstücke abfassen zu lassen.

Wenn aber eine Aufzeichnung für die Swyns unleserlich war, sagten die Bauern: Dat kann keen Swyn lesen!" - (nach Krüger, Redensarten, Wiesbaden, 196, S.247)


Schwein haben

"Schwein haben" - = großes Glück haben.

Hergeleitet vom Kartenspiel des 16. Jh.. Auf der höchsten Karte, dem Schellen-Dau - Schellen-As, war ein Schwein abgebildet (Studentensprache), denn das As hieß im deutschen Kartenspiel "Dau" oder "Sau": "Er hat die Eichelsau auf den Tisch, dass es nur so kracht!"

Zudem galt das dauernd mit dem Rüssel wühlende Schwein als Schatzfinder (z.B. bei der Trüffel-Suche oder als Glücks-Schweinchen auf Neujahrs-Karten - H. Kuntz) - (nach Krüger, Redensarten, Wiesbaden, 1960, S. 247)


"Bankrott machen"

Sinn: zahlungsunfähig sein, pleite gehen, seinen geldlichen Verpflichtungen nicht nachkommen können.

- In Italien war es üblich, dass die Geldwechsler ihre Geldsorten auf ihrem Zahltisch (Bank) im Freien hatten. Der Tisch (ital. Banca - heute noch bank für Geldinstitut) wurde umgeworfen oder zerbrochen, wenn sich der Wechsler etwas zuschulden kommen ließ. Es wurde ihm von den Gläubigern das Symbol seiner Tätigkeit zerschlagen - "banca rotta" (ruptus), woher das Wort Bankrott sich herleitet.

Abraham a Santa Clara schrieb 1770 einem Kaufmann die Grabschrift: "Ich, spricht der Tod - mach Bankrott" - (nach Raab, Redewendungen, S. 24, u. nach Krüger, Redensarten, Wiesbaden, 1960, s. 31)


Ärmel - "Etwas aus dem Ärmel schütteln"

Etwas vermeinlich Schwieriges leicht, mühelos und spielend tun, besonders bei Dingen, die sonst einer Vorbereitung bedürfen, z. B. bei einer Rede.

Der Ausdruck erklärt sich aus der spätmittelalterlichen Mode der weiten, taschenförmigen Ärmel, aus denen manchmal Überraschendes zutage gefördert wurde; auch auf Zauberkünstler u. Taschenspieler gemünzt, die zum Erstaunen des Publikums verblüffende Dinge aus dem Ärmel schütteln.

- (Nach Krüger, Redensarten, Wiesbaden, 1960, S.15)
In der Frauenzeitschrift "bella" (Nr. 19/2015) steht dazu noch: "Früher hatten Mönche an ihren Kutten weite Ärmel, die sie als Taschen nutzten - so konnten sie ohne große Mühe Sachen mitnehmen."

Bei Raab, Deutsche Redewendungen (S. 19) wird noch ergänzt: "Die Redensart stammt von den Gauklern her, die allerlei Getier wie Kaninchen und Vögel auf Wunsch aus ihren Ärmeln hervorzauberten."


Aufdonnern - "Ist die aber aufgedonnert"...

...sagt man von einer Frau, die geschmacklos und aufdringlich geputzt ist.

Die Redensart, seit dem 19. Jh. bekannt, ist nicht dem Wort Donner entlehnt. Vielmehr ist Donner, im Niederdeutschen "dunner", hier eine Entstellung von "donna" = Dame. Ursprünglich bedeutete es ernsthaft: Wie eine Dame gekleidet, erst später nahme es die ironische Färbung an. (Nach Krüger, Rdensarten, Wiesbaden, 1960, S. 19)



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