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Syrien

Das Land, das ich vor meinem geistigen Auge sehe, gibt es nicht mehr. Es fällt mir nicht leicht, heute über die Schönheit des Landes, die freundlichen Menschen und über die prachtvollen Zeugnisse einer großen Kultur und Geschichte zu berichten - von Syrien, wie ich es erlebt habe.

Was vor 2 1/2 Jahren als "arabischer Frühling" mit friedlichen Demonstrationen begann, hat sich zu einem unvorstellbar schrecklichen Bürgerkrieg entwickelt, der inzwischen über die Landesgrenzen hinweggeht. Mehr als 100 000 Menschen mussten schon ihr Leben lassen.

Regierungstruppen, Regierungsgegner, die Miliz Nusra-Front (Al Quaida), die Islamische Front (salafistische Rebellen) und der Islamische Staat kämpfen um die Vormachtstellung. Russland, die USA und die Türkei mischen mit den unterschiedlichsten Interessen ebenfalls mit. Das bedeutet unvorstellbares Leid für die Zivilbevölkerung.

Ich werde von dem Land berichten, wie es in meiner Erinnerung lebt.

Unter strahlend blauem Himmel erstreckt sich in 150 km Länge zwischen den beiden Staaten Libanon und Syrien parallel zur Mittelmeerküste das Gebirge des Anti-Libanon.

Von Palmen umgeben liegt die Oase Palmyra, eine antike Ruinenstadt, eingeschlossen von zwei Bergketten, im Hochland von Aleppo. Im Süden und Osten wird die Stadt von der syrischen Wüste begrenzt. Palmyra liegt auf dem Gebiet der modernen Stadt Tadmur. Schon im 2. Jahrhundert vor Christus fungierte die Stadt als wichtiger Handelsposten. Die Oase Palmyra wird bereits im 1. Jahrhundert vor Christus in alt-assyrischen und babylonischen Schriften erwähnt.

Im 1. Jahrhundert vor Christi Geburt eroberten die Römer die Stadt. Kaiser Hadrian hielt sich kurzzeitig hier auf und gab Palmyra den Status einer freien Stadt.

Es entwickelte sich eine einzigartige Kultur, die griechisch-römische und orientalische Elemente miteinander verschmolz.

Die Reste monumentaler Bauwerke, Ruinen von Tempeln (besonders beeindruckend der Baal-Tempel) und von Patrizierhäusern zeugen noch heute vom Reichtum der Stadt. Palmyra ist Weltkulturerbe und gibt noch heute einen Eindruck von einstiger überwältigender Schönheit.

Begeistert schreibt der marokkanische Weltenbummler Ibn Battuta über die syrische Hauptstadt Damaskus, die er im 14. Jahrhundert besucht hat: "Damaskus übertrifft alle Städte dieser Welt an Schönheit, seinen Zauber können keine Worte fassen."

Auch im 20. Jahrhundert übt die alte Millionenstadt noch eine eigenartige Faszination auf den Besucher aus.

Damaskus ist eine der ältesten bewohnten Städte der Welt und ein kulturelles und religiöses Zentrum. Damaskus ist der Ort, an dem Abraham der Legende nach erkannte, dass es nur einen Gott geben konnte und so zum Urvater der drei monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam wurde. Hier wandelte sich Saulus zum Paulus und wurde vom Verfolger der Anhänger des Urchristentums zum wichtigsten Förderer der christlichen Religion.

Von Häuserfassaden grüßt allenthalben in Überlebensgröße das Bild Hafiz al-Assads, des Vaters des heutigen Machthabers. Mehrspurig wälzt sich der Verkehr durch die Innenstadt. Die Frau tritt vielfältig in Erscheinung: verschleiert, mit oder ohne Kopftuch.

Interessant die elegante Syrerin, gekleidet in einen raffiniert geschnittenen Hosenanzug, vor dem Gesicht einen durchsichtigen Schleier tragend.

Das besondere Interesse der Touristen gilt meist de r Altstadt. Sie wurde 1979 zum Weltkulturerbe ernannt.

Beeindruckend die Omayyaden-Moschee.

Im vierten Jahrhundert wurde ein römischer, dem Gott Jupiter geweihter Tempel durch eine christliche Basilika ersetzt. Gemäß der Überlieferung wird hier der Kopf Johannes des Täufers aufbewahrt. Der Sarkophag des Täufers verblieb im Gotteshaus, auch als es im siebten Jahrhundert in eine Moschee umgewidmet wurde.

Wir Frauen bekamen Kapuzenmäntel, Mönchskutten gleich, in die wir uns zum Betreten der Moschee kleiden sollten. Als wir die Mäntel anlegten, wurden wir von einer Gruppe von ungefähr zehn Frauen, ganz in schwarz gekleidet, misstrauisch beäugt. Als sie jedoch bemerkten, dass wir es beim Ankleiden nicht an der nötigen Ehrerbietung fehlen ließen, lächelten sie uns zu. "Welcome", rief uns eine der Frauen zu. Wir betraten die Moschee, verharrten vor dem Schrein Johannes des Täufers, vor dem Papst Johannes Paul II im Mai des Jahres 2001 gebetet hatte.

Es zeigte sich, dass eine Moschee nicht nur ein Haus des Gebetes, sondern auch ein Ort der Begegnung ist. In Gruppen saßen Frauen beieinander und unterhielten sich, während die Kinder auf den weichen Teppichen Purzelbäume schlugen. Auffallend war, dass sich alles in eigenartiger Ruhe abspielte.

Die Moschee hat drei Minarette in verschiedenen Baustilen. Das Ostminarett trägt den Namen "Jesusminarett". An diesem Ort soll am Ende der Welt Jesus erscheinen um mit dem Antichristen zu kämpfen.

Die Kirche Sankt Ananias ist ein antikes Haus im Christenviertel von Damaskus. Es gilt als das Haus in dem Ananias Saulus getauft hat, in dem Saulus zum Paulus wurde. Die Kirche, die mehrere Male restauriert wurde, ist das einzige christliche Gotteshaus aus dem ersten Jahrhundert, das in der hauptsächlich islamischen Stadt überdauerte. Abbildungen erzählen die Geschichte des Apostels Paulus.

Erwähnenswert ist die Kapelle des heiligen Paulus. Hier ist an der Stadtmauer die Stelle, an der Paulus von seinen Anhängern in einem Korb herabgelassen wurde, damit er vor seinen Verfolgern fliehen konnte.

Die Zitadelle von Damaskus ist eine nahezu komplett erhaltene Festung.

Im Nationalmuseum sind einmalige Schätze der Menschheitsgeschichte zu besichtigen. Schätze aus den Gräbern von Palmyra, figürliche Malereien aus der Synagoge von Dura Europos und eingeritzt in ein kaum handgroßes Tontäfelchen das erste Alphabet der Menschheitsgeschichte, die Keilschrift von Ugarit.

Nach einem köstlichen orientalischen Mahl ging ein erlebnisreicher Tag zu Ende. Müde von den vielen Eindrücken, die sich unauslöschlich eingeprägt hatten, gingen wir an Bord. Es war schon dunkel, als die Achille Lauro den Hafen von Latakia verließ.

(Renate Raidt)



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