Schweizer Präzision trifft Schleudergang

Mein Mann hatte mir zur Hochzeit eine teure Schweizer Armbanduhr geschenkt. Ein echtes Schmuckstück. Ich war mächtig stolz darauf – nicht nur wegen der Uhr, sondern auch, weil wir zu dieser Zeit finanziell eher auf Sparflamme lebten. Er war beim Bund, ich hatte ein Baby zuhause und eine kranke Oma zu betreuen. Arbeiten gehen war keine Option für mich.

Wie immer, wenn mein Mann vom Bund heimkam, brachte er einen Berg Uniformen plus Unterwäsche und Socken mit. Die mussten gewaschen, getrocknet und gebügelt werden – alles innerhalb von zwei Tagen Heimaturlaub. Unsere Waschmaschine war zwar neu, aber klein. Sie stand im Badezimmer und wurde von oben befüllt. Kein Luxusmodell, aber sie tat ihren Dienst.

An einem dieser Tage war ich wieder im Waschmarathon. Ich warf seine Klamotten in die Maschine, startete den Waschgang – und hörte ein Klappern. Kein Grund zur Sorge, dachte ich. Die Uniform hatte ja Metallbesätze. Das klappert eben.  Die Sorge kam erst später. Als ich merkte, dass meine Uhr nicht mehr am Handgelenk war. Ich wusste genau, ich hatte sie angehabt. Und ich wusste, die Waschmaschine ließ sich während des Waschgangs nicht öffnen. Also blieb mir nur eins: hoffen.   

Nach dem Schleudern und öffnen der Maschine war meine letzte Hoffnung dahin. Zwischen frisch gewaschenen Uniformen, Tarnunterhosen und Socken lag sie – meine Schweizer Uhr. Gebadet, geschleudert, vermutlich traumatisiert.

Mir wurde regelrecht schlecht bei dem Gedanken, das meinem Mann zu beichten. Also tat ich, was jede schlaue Hausfrau in Panik tut: Ich holte aus seiner Werkstatt einen Satz feinster Schraubenzieher und schraubte das Gehäuse auseinander. Ganz vorsichtig. Ich merkte mir genau, wie alles zusammengesetzt war. Dann legte ich das Innenleben der Uhr auf ein Frühstücksbrett und stellte es ans Fenster in die Sonne. Trocknung auf die altmodische aber behutsame Art. Nach ein paar Stunden baute ich alles wieder zusammen. Und siehe da – sie lief wieder. Meine Freude und Erleichterung war riesengroß.

Genau zwei Tage lang lief sie. Dann wurde mir klar, das Bad in der Waschmaschine hatte ihr nicht gut getan, denn jetzt war endgültig Schluss. Kein Ticken, kein Zucken, nichts ging mehr. Selbst der Uhrentechniker, bei dem sie gekauft worden war, konnte nichts mehr retten. Schweizer Präzision trifft deutschen Schleudergang – das war wohl keine Liebesgeschichte.

Mein Mann war erstaunlich ruhig. Vielleicht lag es daran, dass er nicht bemerkte dass sie nicht an meinem Handgelenk mehr war, oder aber weil ich ihm die Geschichte erst Jahre später erzählt habe.

Hausfrauenweisheit

Trage niemals Schmuck beim Waschen. Es sei denn, du willst wissen, wie viel eine Uhr in der Wäsche-Trommel aushält.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert