{"id":1139,"date":"2021-03-15T13:03:00","date_gmt":"2021-03-15T12:03:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/?p=1139"},"modified":"2022-02-16T13:20:56","modified_gmt":"2022-02-16T12:20:56","slug":"eine-gardinengeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/2021\/03\/15\/eine-gardinengeschichte\/","title":{"rendered":"Eine Gardinengeschichte"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>Dagmar Voigtl\u00e4nder<\/strong> hat in ihrer Kindheit und Jugend viel Zeit in der Pfalz verbracht. Dazu ist ihr eine Geschichte \u00fcber ihre Gro\u00dfmutter \u00fcber Gardinen in der Nachkriegszeit eingefallen. (Anmerkung von Sabine Veit)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOma, was wollen wir jetzt noch putzen, das K\u00fcchenfenster, oder noch schnell den K\u00fcchenboden?\u201c Alexa leerte den Putzeimer in die Sp\u00fcle und sah ihre Gro\u00dfmutter fragend an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein mein Kind, f\u00fcr heute ist es genug, mein R\u00fccken streikt und ich hab jetzt keine Lust mehr! Die Fenster sind auch n\u00e4chste Woche noch schmutzig und so lange man noch durchsehen kann, st\u00f6rt mich das nicht. Jetzt setz dich her, wir machen mal Pause und erz\u00e4hlen ein bissel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie jede Woche war Alexa bei ihrer Gro\u00dfmutter aufgetaucht wie das Rotk\u00e4ppchen, nur dass der Korb nicht nur Kuchen und Wein, sondern auch Putzmittel, Wischlappen und Schw\u00e4mme enthielt.&nbsp; \u201eIch schenk schon mal den Kaffee ein und du schneidest uns bitte von dem herrlichen Sandkuchen zwei sch\u00f6ne gro\u00dfe St\u00fccke ab! Den haben wir uns jetzt verdient\u201c, bemerkte Oma und l\u00e4chelte verschmitzt. \u201eDas duftet ja verf\u00fchrerisch, o weier, wie soll ich mich da nur beherrschen und nur ein St\u00fcck essen?\u201c Teils hungrig, teils verzweifelt schaute Alexa auf ihr St\u00fcck Kuchen und nach kurzem Z\u00f6gern biss sie herzhaft hinein. Schlanke Linie, das war etwas f\u00fcr Anf\u00e4nger! \u201eNach dem Zuckerschock muss ich nachher wieder eine Runde extra joggen.\u201c Alexa und verzog ihr Gesicht in komischer Verzweiflung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAch Kind, das tut mir leid\u201c, erwiderte ihre Gro\u00dfmutter. \u201eWei\u00dft du, als ich in deinem Alter war, da h\u00e4tte ich sicher drei oder vier St\u00fccke essen k\u00f6nnen, ohne anzusetzen. Ich musste so oft schnell &#8230;.Oma verstummte. Ihre H\u00e4nde hatten einen Zipfel der Tischdecke geschnappt und die Fingerspitzen strichen wie von selbst immer wieder \u00fcber die geh\u00e4kelte Spitze. \u201eOmi?\u201c Mit gro\u00dfen Augen schaute Alexa ihre sonst so patente und nie um ein Wort verlegene Gro\u00dfmama an. \u201eWas ist los, du scheinst ja meilenweit weg zu sein mit deinen Gedanken? Komm, erz\u00e4hl mir was dir durch den Kopf geht!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/sand-cake-3499378_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1206\" width=\"489\" height=\"303\" srcset=\"https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/sand-cake-3499378_640.jpg 640w, https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/sand-cake-3499378_640-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mit einem kleinen Ruck setzte sich ihre Gro\u00dfmutter auf dem Stuhl zurecht. Alexa war ein aufmerksamer Beobachter und so entging ihr auch der leise Hauch von R\u00f6te auf den Wangen ihrer Gro\u00dfmutter nicht. \u201eEs war kurz nach dem Krieg\u201c, begann Oma leise. \u201eDeine Mama war ein d\u00fcrrer Stecken und st\u00e4ndig hungrig, na ja wie alle Kinder eben. Lebensmittel waren rar. Es gab Lebensmittelkarten, oft musste man stundenlang anstehen und bis man an der Reihe war, gab es nichts mehr. In meiner Not bin ich oft bis weit in den Odenwald oder die Pfalz gefahren um dort zu \u201efuggern\u201c. So nannten wir das damals, wenn wir ein wenig Butter oder Milch, ein St\u00fcck Brot oder ein Sch\u00e4lchen Quark gegen irgend was getauscht, oder im schlimmsten Fall gebettelt haben. Aber irgendwann waren die Quellen alle versiegt. Keiner hatte noch so viel, als dass er gerne gegeben h\u00e4tte oder, vielleicht brauchten sie auch wirklich das, was sie hatten, selbst. Ich war verzweifelt, aber ich durfte mir vor dem Kind nichts anmerken lassen. In meiner Not ging ich eines Tages zu meiner letzten Arbeitsstelle. Ich hatte in der Firma vor dem Krieg immer mal wieder als N\u00e4herin ausgeholfen. Vielleicht w\u00fcrde meine alte Chefin Rat wissen? Vielleicht gab es schon wieder Auftr\u00e4ge?\u201c Nachdenklich r\u00fchrte Oma in ihrem Kaffee. Was nun kam, schien ihr nicht so leicht \u00fcber die Lippen zu wollen. Nach einer langen Pause, nahm sie die Tasse in die Hand und trank sie in einem Zug aus. Energisch stellte sie die Tasse auf den Unterteller zur\u00fcck und fuhr fort:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch ging also in die N\u00e4herei und Frau Brenner, die Frau vom Chef hat sich meine Sorgen angeh\u00f6rt. \u201eK\u00e4tsche, ich kann leider nix mache, mir hawwe a noch k\u00e4 \u00c4rwet\u201c, war ihre Antwort. \u201eSie hat aber schon gesehen, dass mir das arg war, Kind ! Da hat sie mich von oben nach unten scharf gemustert und dann gesagt:\u201c K\u00e4tsche geh emol mit mir ins Lager.\u201c \u201eIch hab das nicht verstanden, was ich in dem Lager soll, weil, wenn\u00b4s keine Arbeit gibt dann gibt\u2019s auch kein Material. Bin trotzdem hinterher und was meinst du mein M\u00e4del, was ich da zu sehen bekommen hab?&nbsp; Von wegen nichts da! Da lagen mindestens f\u00fcnf gro\u00dfe Ballen mit dem sch\u00f6nsten Spitzenstoff, den ich je gesehen hab!\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/ruffles-511487_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1207\" width=\"454\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/ruffles-511487_640.jpg 640w, https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/ruffles-511487_640-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eBoah, echt jetzt, Oma?\u201c, Alexa bekam gro\u00dfe Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa Kind, so wahr ich hier sitz\u201c, war Omas Antwort. \u201e Aber es kommt noch besser, wart\u00b4s ab! Die Frau Brenner hat mir erkl\u00e4rt, das w\u00e4r alles Vorhangstoff, sicher so sch\u00f6n \u201eals wie fl\u00e4mische Spitze\u201c, hat sie betont. Es hat mir nat\u00fcrlich sofort in den H\u00e4nden gejuckt, den wundervollen Stoff in sch\u00f6ne Vorhangschals zu verarbeiten. Ich sah mich schon den Ballen aufrollen, den Stoff abmessen, zurechtschneiden, zuletzt an der Maschine ein Bleiband einn\u00e4hen. Das w\u00fcrde einen Heidenspa\u00df&nbsp; machen und was k\u00f6nnte man alles dagegen tauschen!\u201c Dann ist mir eingefallen, dass ich Frau Brenner nichts aber auch gar nichts zum Tausch anbieten konnte. Geld w\u00fcrde sie sicher auch nicht interessieren, das hatte schon lange seinen Wert verloren. Frau Brenner hat wohl gemerkt, wie mir im wahrsten Sinne des Wortes die Kinnlade nach unten gefallen ist. Sie hat mich in den Arm genommen, fest gedr\u00fcckt und gesagt:\u201c Nimm dir erschd emol \u00e4n Balle. Wenn du die Vorh\u00e4ng getauschd bekommschd, sieh zu, dass de mir \u00e4 Flasch \u00d6l midbringschd.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine Flasche \u00d6l gegen einen ganzen Ballen Vorhangstoff ?, Alexa verstand die Welt nicht mehr. \u201eKind, du hast keine Ahnung wie wertvoll die Grundnahrungsmittel damals waren. Das war schon ein angemessener Tausch\u201c, f\u00fcgte Oma hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hab nicht lang nachgedacht und mir einen Ballen geschnappt\u201c. Alexa sah, wie die Augen ihrer Gro\u00dfmutter bei der Erinnerung an den guten Fang strahlten. Auf dem Rausweg, hab ich geh\u00f6rt, wie mir Frau Brenner noch was nachruft, das so klang wie \u201e die h\u00e4ngen sich bissel aus.\u201c Was will die mir erz\u00e4hlen, hab ich gedacht, alle Vorh\u00e4nge m\u00fcssen sich aush\u00e4ngen, damit sie sch\u00f6n und glatt fallen, bin ja nicht von gestern.\u201c Danach bin ich heim und hab angefangen zu schneidern. Die Arbeit ging mir wunderbar von der Hand, der Stoff f\u00fchlte sich herrlich an. Obwohl mir langsam die Augen zufallen wollten, habe ich nicht aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, bevor nicht drei Paar exquisite Vorhangschals vor mir lagen. Die Freude etwas so sch\u00f6nes zu schaffen und die Hoffnung darauf, es auch verkaufen zu k\u00f6nnen haben mich bis zum Morgengrauen wach gehalten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/coffee-1974841_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1208\" width=\"551\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/coffee-1974841_640.jpg 640w, https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/coffee-1974841_640-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 551px) 100vw, 551px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich hab mir einen Muckefuck gebr\u00fcht, Kaffee gab es ja leider keinen. Dann hab ich mein blaues Sonntagskost\u00fcm vom vorm Krieg angezogen und meine cremefarbene elegante Seidenbluse. Nat\u00fcrlich hab ich mich auch noch ein wenig zurecht gemacht, so gut es halt ging. \u201eWie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen\u201c, hab ich gedacht. Voller Hoffnung bin ich in den Odenwald aufgebrochen. Mit viel Gl\u00fcck fuhren schon wieder zwei oder drei Z\u00fcge am Tag\u201c, erz\u00e4hlte Oma. Alexa hatte den Eindruck, ihre Omi sei beim Erz\u00e4hlen zwanzig Jahre j\u00fcnger geworden. Um ihre Augen waren die Sorgenfalten verschwunden und alles, was man noch erkennen konnte, waren kleine Lachf\u00e4ltchen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd dann? Komm erz\u00e4hl Oma, was hast du ausgehandelt? , wollte Alexa l\u00e4chelnd wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLangsam mein M\u00e4dele, ich komm ja gleich dazu\u201c war Omas Antwort. Sie l\u00e4chelte und fuhr in ihrer Erz\u00e4hlung fort: \u201eAls ich im ersten Dorf ankam, bin ich gleich auf den gr\u00f6\u00dften Hof zugesteuert. Wenn einer noch genug zum Tauschen hat, dann ist das der Bauer mit dem meisten Land und dem gr\u00f6\u00dften Viehbestand\u201c, so kombinierte ich. Ich war zwar erst ein paar Wochen zuvor bei denen gewesen und sie hatten mir gesagt, sie h\u00e4tten nichts und schon gar nicht f\u00fcr mich, aber nun kam ich ja nicht mehr als Bittstellerin, sondern hatte \u201efl\u00e4mische Spitze\u201c dabei\u201c, Oma grinste \u00fcber beide Backen. \u201eWer nichts wagt, der nichts gewinnt, hab ich gedacht und angeklopft. Es kam, wie ich es vorausgeahnt hatte. Kaum hatte ich der B\u00e4uerin die bl\u00fctenwei\u00dfen fein durchbrochenen Schals gezeigt, gab es kein Halten mehr. Sie rief lauthals nach ihrem Mann, der war auch sehr einverstanden mit der guten \u201eAnlage\u201c.&nbsp; Der Bauer hat mir alle sechs Schals im Tausch gegen einen Schinken und ein St\u00fcck K\u00e4se, einen Laib Brot und 2 Dutzend Eier abgenommen. Das war einerseits viel f\u00fcr mich. Andererseits, w\u00e4re das wirklich echte Spitze gewesen, h\u00e4tten sie meine Notlage ganz sch\u00f6n ausgenutzt. Aber ich war zufrieden. Das war ein guter Anfang und ich hatte ja noch viel vom Ballen \u00fcbrig. Es w\u00fcrde auf die Dauer schon f\u00fcr eine Flasche \u00d6l reichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In aller Gem\u00fctsruhe schenkte Oma sich Kaffee nach, r\u00fchrte Kondensmilch und Zucker ein und trank langsam und genussvoll. Dann nahm sie ihre Erz\u00e4hlung wieder auf:\u201eIch wurde nat\u00fcrlich gebeten, die Schals sofort aufzuh\u00e4ngen. Die B\u00e4uerin hatte alles, was es braucht, da. Also wurden die alten Vorh\u00e4nge abgenommen, die \u201eR\u00f6llchen\u201c herausgenommen, in die neuen Schals eingesteckt und diese dann schlie\u00dflich in die Gardinenleiste eingef\u00e4delt. Ich brauchte eine gute Stunde bis ich in allen drei Zimmern die neuen leicht schwingenden Gardinen aufgeh\u00e4ngt hatte. Die B\u00e4uerin hatte sich zwischendurch in den Stall verabschiedet. es war sp\u00e4ter Nachmittag und Zeit zum Melken geworden und so konnte sie mir nicht l\u00e4nger bei der Arbeit zuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich war ich fertig mit meiner Arbeit und ging zur\u00fcck in das Wohnzimmer, in dem ich mit dem Aufh\u00e4ngen begonnen hatte. Dort dachte ich, meine Augen spielen mir einen Streich! Die wundervollen neuen Vorh\u00e4nge, schwangen nicht mehr, sie lagen bleischwer am Boden auf. Seit ich sie aufgehangen hatte, waren sie mindestens 5 Zentimeter l\u00e4nger geworden. Das war keine Spitze, das war \u201eBr\u00fcssler Gummi\u201c! Ganz leise hatte ich Frau Brenner im Ohr \u201edie h\u00e4ngen sich bissel aus&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"588\" height=\"640\" src=\"http:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/french-windows-3853288_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1209\" srcset=\"https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/french-windows-3853288_640.jpg 588w, https:\/\/www.herbstwind-online.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/french-windows-3853288_640-276x300.jpg 276w\" sizes=\"auto, (max-width: 588px) 100vw, 588px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mir brach der Schwei\u00df aus, was sollte ich nur tun? Den sch\u00f6nen Schinken und die anderen k\u00f6stlichen Sachen, nein das w\u00fcrde ich mir nicht mehr nehmen lassen! Die Bauern hatten Spitze f\u00fcr wenig haben wollen, nun hatten sie sogar mehr Vorhangstoff bekommen, als sie wollten. Schnell packte ich meine Sachen zusammen. Ich ging \u00fcber den Hof in den Stall und verabschiedete mich von der B\u00e4uerin. Ich hatte mehr Gl\u00fcck als Verstand! Die B\u00e4uerin hatte mein \u201eWerk\u201c ja gesehen und bezahlt war auch schon, also konnte ich sofort aufbrechen. Zuerst ging ich langsam, dann, als ich au\u00dfer Sichtweite war, schneller und schlie\u00dflich, als der Bahnhof in Sicht kam, bin ich gerannt, als w\u00e4re der Teufel hinter mir her. Als ich endlich im Zug sa\u00df und wieder Luft bekam, konnte ich nicht anders, da hab ich gelacht, bis mir die Tr\u00e4nen kamen. Die Leute haben mich komisch angeschaut und sich wohl gefragt, was ich zu lachen habe, so kurz nach dem Krieg, aber das war mir egal.<\/p>\n\n\n\n<p>Alexa schaute ihre Oma verdutzt an, dann verzog sich ihr Mund zu einem L\u00e4cheln und schlie\u00dflich begann sie laut und herzlich zu lachen. \u201eMensch Omi, du bist ja ein Tausendsassa. Oder soll ich lieber \u201eOma Hood\u201c zu dir sagen?\u201c Also ehrlich, das h\u00e4tte ich nicht von dir gedacht! Aber sag mal, die Nummer konntest du sicherlich nur einmal bringen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAch was Kind, mit ein bissel Planung und wenn man sich genau aufschreibt, wo man schon gewesen ist, geht das auch so lange, bis kein Stoff mehr da ist. Oma grinste wie ein kleines Teufelchen. \u201eWei\u00dft du, ich hab nur denen nichts von dem \u201eAush\u00e4ngen\u201c gesagt, die mich beim Tauschen \u00fcber den Tisch ziehen wollten. Die waren dann sozusagen betrogene Betr\u00fcger. Bei den anderen, die mich wirklich angemessen bezahlen wollten bin ich l\u00e4nger geblieben, und hab die Gardinen umgen\u00e4ht, wenn sie sich \u201eausgehangen\u201c hatten.&nbsp; Immer noch lachend verabschiedete sich Alexa von ihrer geliebten Gro\u00dfmutter. Putzen und Kaffee mit ihr waren sch\u00f6n, aber am allerbesten waren und blieben ihre wundervollen Anekdoten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dagmar Voigtl\u00e4nder hat in ihrer Kindheit und Jugend viel Zeit in der Pfalz verbracht. 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