Vertrauen auf der Straße gen Norden
Es begann in der Pfalz, an einem warmen Sommermorgen.
Drei Freunde – Paul „Paule“, Martin „Matz“ und Jakob „Jockel“ – standen vor Paules VW Käfer, dessen Tank nur noch wenige Liter fasste. „Es reicht bis Luxemburg“, meinte Matz und zog den Rucksack enger. „Und wenn nicht?“, fragte Jockel. Paule grinste breit. „Dann vertrauen wir einfach drauf, dass der Rest sich findet.“
Der kleine Käfer schnurrte los, die Fenster weit offen, das Radio dudelte. Die Sonne stand hoch, der Sommer roch nach Staub und Freiheit. Und tatsächlich – der Tank hielt bis Luxemburg, gerade so. Dort, an einer Raststelle, parkten sie den Käfer und wussten: Weiter geht’s nur per Anhalter.
Die Daumen raus, die Herzen klopfend – und tatsächlich, der erste Wagen hielt. Es begann eine abenteuerliche Reise nach Norden: mal auf der Ladefläche eines Bauern, mal auf der Rückbank eines alten Mercedes, mal in einem klapprigen Kleintransporter. So erreichten sie schließlich einen kleinen Ort an der Nordsee.

Dort fanden sie Arbeit in einer Strandbar. Die Tage waren lang, die Abende salzig und warm. Sie räumten Tische ab, füllten Gläser, wischten Sand von den Holzbänken – und verdienten genug, um nicht nur satt zu werden, sondern auch Geld für die Rückreise zu haben.
Doch das Abenteuer war noch nicht zu Ende. Auf dem Rückweg trampen sie erneut – diesmal in Begleitung einer bunten Truppe von jungen Leuten, die sie unterwegs trafen. Lange Haare, bunte Hemden, Musik aus einem mit Aufklebern übersäten VW T1. Der Bus roch nach Meer, Tabak und Freiheit.
Die drei Pfälzer Jungs saßen hinten auf Decken, sangen mit, teilten Brot, Käse und Geschichten mit diesen „Hippies“, die von Festivals erzählten, von Reisen durch Europa, von der großen Freiheit. Für einen Moment fühlten sich Paule, Matz und Jockel wie Teil einer größeren Bewegung – drei junge Männer, die nur ein Zelt, ein paar Mark und einen Traum vom Norden brauchten, um die Welt ein Stück weit zu erobern.
Wieder in Luxemburg angekommen, füllten sie den Tank des Käfers – diesmal ganz. Die Heimfahrt in die Pfalz war stiller, nachdenklicher. Die Landschaft flog vorbei, und jeder hing seinen Gedanken nach.
Als sie schließlich daheim ankamen, parkte Paule den Käfer vor dem Haus. Es war derselbe Wagen, dieselbe Straße – doch sie waren nicht mehr dieselben. Sie hatten gelernt, dass Vertrauen manchmal genügt: ein halbvoller Tank, ein ausgestreckter Daumen, ein bisschen Mut – und die Welt öffnet sich.
