Leben passiert!

Wir befinden uns im dritten Frühjahr seit Ausbruch der Pandemie. Inzwischen beherrschen neue bedrohliche Schlagzeilen wie Krieg und Inflation unser Weltgeschehen. Sie versetzen uns in Angst und Schrecken und belasten uns zusätzlich! Die Medien haben das Thema Pandemie überrollt, verdrängt … und so wandert es in unseren Köpfen in den Hintergrund (zu viele negative Informationen könnten wir sonst gar nicht aushalten!). Dennoch leben wir alle unbewusst oder bewusst mit dem gefürchteten Virus weiter. Wie ein unsichtbarer Feind schwebt er über uns oder er lauert irgendwo angriffslustig in seinem Versteck, bis er erbarmungslos zuschlagen kann. Den Kopf schützen wir längst zwischen automatisch angespannten hochgezogenen Schultern. So eilen wir an den Menschen und dem eigentlichen Leben vorbei……

Natürlich will man ihm nicht begegnen, diesem mysteriösen, katastrophalen fremden Ungeheuer! Auch ich tat bisher zu meinem und somit auch zum Schutze aller (fast) alles, was ich konnte und in meiner Macht stand. Als Risikopatient ließ ich mich so schnell und so oft wie möglich impfen und so war ich letztendlich geboostert. Ich desinfiziere weiterhin ständig meine Hände, trage vorschriftsmäßig eine FFP2 Maske, halte Abstand zu Menschen und halte mich von Menschenansammlungen fern, sofern es welche gibt. In den vergangenen Jahren wurde so manch schöne, wertvolle Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Die eine oder andere Freundschaft ist leider verkümmert, weil man sie nicht mehr pflegen konnte.

Hat man nicht schon irgendwie verlernt, was Gemeinschaft, Freude, Frohsinn, das Leben eben … bedeuten? Innerhalb der Familie lebt man mit einem eingeschlichenen gewissen Unbehagen miteinander. Die Treffen sind nicht mehr so unbeschwert, sorglos, frei und unbekümmert wie früher. Aber eines werde ich mir trotz allem niemals von irgendjemandem auf der Welt verbieten lassen: Meine eigene Familie zu umarmen und zu liebkosen! Mit diesem Restrisiko will ich leben- aber vielleicht kostet gerade das einen so hohen Preis!?!? Trotz aller empfohlenen Schutzvorkehrungen seitens der Regierung und des RKI passierte dann doch folgendes:

In der Karwoche stand das Virus vor meiner Tür und klopfte an

Wie ein ungebetener Gast oder ein ungeladener ungeliebter Besucher. Nein, ich wollte es nicht hereinlassen, auf keinen Fall! Am liebsten hätte ich gerufen:“ Niemand zuhause!“ Ich versuchte, die Tür durch Dagegenstemmen zuzuhalten, aber das kleine Ding hat sich irgendwo zwischen die Ritzen gezwängt und ist eingedrungen. Machtlos stand ich da. Irgendwie glaubte ich, den Eindringling auch schon in mir spüren zu können. Zunächst war ich schockiert, blockiert, gelähmt und erstarrt. Dann nur noch verzweifelt, ohnmächtig. Meine Gefühle und Gedanken fuhren Achterbahn. Vor allem wollte ich eines nicht: Es Wahrhaben!

Doch mein Testergebnis belehrte mich eines Besseren: eindeutig positiv! Was sollte ich nun tun? Von jetzt auf gleich fühlte ich mich aus dem Lebensalltag gerissen. Da waren doch noch meine Termine, meine Aufgaben, meine externen Verpflichtungen für nahestehende Menschen, die mir über meine eigene Kernfamilie hinaus anvertraut sind! Gefühlte, z.T. selbst auferlegte Verpflichtungen, die in mein eigenes persönliches Leben sowie in mein Ehe,-und Familienleben greifen und mir so einiges aus Verantwortungsbewusstsein abverlangen.

Mein Gehirn schaltete auf Automodus um und funktionierte wie eine Maschine – zumindest für eine kurze Zeit! Das half mir, das Wichtigste auf die Schnelle umzuorganisieren, mich aus meinen vermeintlichen Verpflichtungen herauszunehmen, damit ich mich in die sogenannte „Absonderung“ begeben konnte. Aber dann begannen das Hadern und Aufbegehren gegen Gott und die Welt. Warum ich? Warum jetzt? Warum über Ostern, wo ich doch schon meine Familie eingeladen hatte? Es war doch herrliches Wetter vorausgesagt und alles so perfekt vorbereitet. Warum mussten jetzt alle Familienpläne wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen? Meine Fragen blieben unbeantwortet.

Es sind wenige Tage her, seit das Virus bei mir eingezogen ist. Das Krankheits-Gefühl, ähnlich einer Grippe mit fehlendem Geruchsinn( übrigens ganz neue erschreckende Erfahrung) macht sich in meinem Körper breit. Dennoch lassen sich gottlob die Symptome gut aushalten.

Aber es kommt noch ein anderes Gefühl hinzu

Das Gefühl, dass so viel Raum und Zeit auf einmal da sind, wie ich das noch nie erlebt habe. Ich spüre plötzlich, wie gut mir die Ruhe und die Auszeit vom Lebensalltag tun … so gut, so unendlich gut … Keine Verpflichtungen, Aufgaben, Termine, kein „noch schnell dahin und dorthin müssen“, nicht „dies und das für den einen oder anderen erledigen wollen oder müssen“, kein „nur nicht vergessen, noch daran und daran zu denken“, damit nur alles läuft, es allen gutgeht… außer mir!!

Wie oft bleibt am Ende das ernüchternde Gefühl zurück, vielleicht doch nicht alle Erwartungen erfüllt zu haben, das Getane und alle Bemühungen letztlich doch irgendwie nicht genügten und ich ständig der Anerkennung und Wertschätzung nur von außen hinterherrenne. Und obwohl ich weiß und ich mir sehr wohl bewusst bin, dass sich da das „Innere Kind“ in mir meldet, weiß ich auch, dass sich diese Gefühle nur schwer abstellen lassen und sich meine Verhaltensmuster nie ganz ändern werden. So geschieht alles wieder und wieder. Immer wieder aufs Neue…

Jetzt ist einfach PAUSE

Endlich darf ich ICH-SEIN, DA-SEIN, mich spüren, meine Bedürfnisse erforschen, mich selbst kennenlernen, mir gerecht werden, in den Tag leben, genießen, vor allem mich selbst, in mich hineinhorchen, achtsam mit mir selbst sein und mich liebevoll wohlwollend behandeln. Ich gebe mich einfach mal dem Fluss des Lebens hin und lass mich von ihm tragen – und es erwacht ein Gefühl der Gelassenheit und Freude. Ich beschließe, dem kleinen Virus in mir nicht mehr länger feindlich gegenüberzustehen, sondern ihm freundlich und friedlich Obdach bei mir zu gewähren. Es hat mich aufgesucht, an meine Tür geklopft, um mir eine Botschaft zu bringen: Die Botschaft der Selbstfürsorge, die Botschaft, mich selbst in mir zu besuchen, weil ich mir selbst der wichtigste Mensch in meinem Leben sein darf!

Und da wächst eine andere Wahrnehmung und Sichtweise zwischen mir und meiner Umwelt. Es entstehen vielleicht neue Wege durch neue Ansichten …

Ich benutze die Worte, die jemand mal sehr treffend formulierte:

Passieren heißt “vorübergehen“.

LEBEN PASSIERT

Das ist das Gegenteil von Stillstand. Und manchmal passieren unangenehme Dinge, die uns daran erinnern können, dass es an der Zeit ist, etwas zu ändern.

Wachsen ist immer mit Schmerzen verbunden. Mein Körper bekämpft mit aller Energie die „Schmerzen“ und unangenehmen Begleiterscheinungen, die mir diese Botschaft auch physisch spürbar hinterlassen hat. Doch meine Seele hat das Hadern aufgegeben und nimmt das Gast- Virus wohlwollend an und bei sich auf – denn Schmerz mit Akzeptanz erzeugt kein Leid.

… Und falls es bei dir mal anklopfen sollte: Lass es herein.

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