Komm, ich erzähle dir eine Geschichte von Jorge Bucay

Manchmal ist das Leben eine schwierige Angelegenheit und Demian – ein aufgeweckter junger Mann – blickt im Augenblick überhaupt nicht mehr durch. Im Grunde hatte er die Nase voll von nutzlosen Therapiestunden, doch dieser Jorge – so sagte man ihm – wäre mit nichts und niemand zu vergleichen. Also dann! sagte er sich, denn er wollte seine vielschichtigen Probleme und Ängsten hinter sich lassen. Eine spannende Reise beginnt.

Jorge Bucay ist ein argentinischer Psychotherapeut und Buchautor, der keine Therapiebücher schreibt, stattdessen Geschichten erzählt. So steht das Klient/ Therapeuten-Gespräch nicht im Mittelpunkt des Buches und die Problemstellung dient allein als Überleitung für die raffiniert ausgewählten Geschichten, Metaphern, Gleichnisse, Sagen, und Weisheiten aus aller Welt. Dass es sich bei dem Ich-Erzähler Demian um einen Studenten handelt, ist ebenso metaphorisch und eher als alterslosen Ratsuchenden zu verstehen. Die Geschichten sind erklärend, jedoch ohne zu belehren, regen zum Nachdenken an und ermöglichen einen anderen Zugang zu den Problemstellungen und Herausforderungen des Lebens.

Wieder einmal spürte ich, wie sich ein Vorhang beiseiteschob und die Sicht auf eine Unmenge von Situationen freigab, auf Ereignisse, Gedanken und Standpunkte, die mir in wirrem Durcheinander durch den Kopf purzelten“

teilt sich Demian den Lesern mit.

Generell sind die Texte einfach zu lesen, die Lektüre kurzweilig, wenn auch tiefgründig und es braucht zwischendurch Freiräume, um das Gelesene sacken und wirken zu lassen. Mit der einen oder anderen Aussage mag man vielleicht auch nicht ganz übereinstimmen, was möglicherweise gewollt ist, um die eigene Sichtweise zu schulen. „Andersartigkeit“ zeichnet Autor und Buch gleichermaßen aus. Schon das ungewohnte DIN A 5 Format des Buches weist ebenso darauf hin, wie das Titelbild, welches einen visuellen, somit direkten Zusammenhang zum Inhalt herstellt. Hierbei handelt es sich um die illustrierte Zeichnung eines an einem dünnen Seil und winzigen Holzpflock angeketteten Elefanten.

Jorge Bucay (Jahrgang 49) hat weltweit mit großem Erfolg zahlreiche Erzählungen und einige Romane veröffentlicht, doch ist darauf hinzuweisen, dass er in den Gepflogenheiten seines Landes schreibt. So wird der Therapeut als „der Dicke“ bezeichnet, und die Ansprachen fallen gelegentlich distanzlos bis rüde aus. Auch kommt die Sprachweise Demians an manchen Stellen derb herüber, was in unserem Kulturkreis befremdlich erscheinen könnte. Wenn man sich dessen aber bewusst ist, zudem sich vergegenwärtigt, dass der Autor nicht über eine reale Therapiesitzung berichtet, sondern dem Leser eine „Geschichte“ erzählt, wird man dem Buch viel abgewinnen können.

Wer vor einer besonderen Herausforderung gestellt ist, dem sei die Buchreihe des Autors empfohlen. In »Das Buch der Trauer« zum Beispiel geht er auf die Vielfalt der Verluste ein (der Tod ist nur ein Aspekt davon), mit denen wir uns im Laufe des Lebens konfrontiert sehen. »Wege aus Schmerz und Verlust« lautet der Untertitel und ist, in gewohnter Manier, eine in Geschichten und Erzählungen verpackte Hilfe zur Selbsthilfe.

Verluste sind Teil unseres Lebens. Sie sind allgegenwärtige und unvermeidliche Konstanten. Und wir nennen sie notwendige Verluste, weil wir an ihnen wachsen. Das, was wir sind, sind wir durch alles, was wir verloren haben, und dadurch, wie wir mit diesen Verlusten umgegangen sind“

Jorge Bucay

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