Urlaub auf dem Campingplatz

Von unserer neuen Autorin Rita Gutsmuths stammt diese kleine Geschichte:

Als ich vor kurzem in einem Theater war, waren die Toiletten alle besetzt. Ungeduldig stand ich davor und konnte es kaum erwarten, bis sich eine der Türen öffnete. Die meisten Frauen kennen das Gefühl, in einer langen Schlange zu stehen und zu warten, bis man sich endlich erleichtern kann.
Plötzlich merkte ich, dass an einer der Türen gerüttelt wurde. Die Dame, die sich auf der Toilette befand, bekam die Tür nicht auf. Sie rüttelte verzweifelt und bat um Hilfe. Daraufhin eilte eine der Wartenden raus, um jemand zu holen.

Das hat mich daran erinnert wie es mir mal gegangen war.

Auf dem Weg zum Bodensee, um dort Camping zu machen, machten wir halt bei meinem Schwager und Schwägerin, die am Bodensee wohnen. Einmal um sie zu begrüßen, dann um halt zu machen, damit wir alle nochmals auf die Toilette gehen konnten und um eine Tasse Kaffee dort zu trinken. Nach der Begrüßung und dem Kaffee wollten wir, das war mein Mann und unsere drei Kinder.
Damit wir rechtzeitig auf den Campingplatz kommen únd damit auch die Möglichkeit haben könnten, unsere ganzen Sachen in dem gemieteten Mobilheim einzuräumen, mahnte mein Mann zum Aufbruch. Die meisten Eltern kennen das Problem. Kaum ist man mit den Kindern unterwegs, ist bestimmt eines dabei, welches gleich nach der Abfahrt Pipi machen muss. Um dem Ganzen aus dem Weg zu gehen, wollten wir noch alle schnell die Toilette bei unseren Verwandten aufsuchen.
Als erster ging mein Mann, dann unser Sohn, dann die älteste Tochter, dann ich mit der Kleinsten. Da der Platz in der Toilette sehr begrenzt war, bat ich meinen Mann, die Kleine zu beaufsichtigen, damit ich auch in Ruhe meinen Toilettengang absolvieren konnte. Bei jedem ließ sich die Tür nach Beendigung seines Geschäftes öffnen, jedoch bei mir ließ sich nichts machen. Ich hatte die Tür von innen verschlossen, da bei mir immer die Möglichkeit bestand, dass eines der größeren Kinder unversehens in die Toilette gestürmt kam. Dieses Mal hatte es mich allerdings kalt erwischt, egal was ich machte und probierte, die Tür ließ sich nicht öffnen.

Mein Mann wurde schon ungeduldig, und ich immer nervöser. Ich gab meinem Mann den Schlüssel unter der Tür durch, aber auch ihm gelang es nicht, die Tür zu öffnen. Da die Toilette ein kleines Fenster hatte, versuchte ich auf die Toilette zu klettern, um so aus dem Fenster zu kommen. Da ich aber leider nicht gerade eine Frau der schlankesten Sorte bin, blieb ich im Fenster stecken.
Währenddessen stand mein Sohn draußen und rief :“Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter“.

Meine älteste Tochter hatte die glorreiche Idee, ihren Vater darauf aufmerksam zu machen, er möchte doch bitte mal den
Fotoapparat benutzen, so eine tolle Situation würde es so schnell nicht mehr geben. Währenddessen stand unsere Kleinste im Flur und weinte bitterlichst. „Ich will zu meiner Mutti.“

So ein Tohuwobahu ! All das brachte mich
schier zum Wahnsinn. Zwischenzeitlich war es mir gelungen mich aus der Umklammerung des kleinen Fensters zu befreien und ich war stinksauer. Deshalb sagte ich zu meinem Mann, “Du holst augenblicklich eine Leiter und stellst sie unter das Fenster,
dann nimmst du die Kinder mit ins Haus. Ich möchte niemand mehr von euch hier draußen sehen. Ich werde hier raus kommen , egal wie.“
Gesagt getan. Zu meinem Elend stand genau unter dem Fenster ein Feuerdorn mit ziemlich großen Stacheln. Bis heute weiß ich nicht, wie es mir gelungen ist, unbeschadet trotz Feuerdorn und zu kleinem Fenster, mich aus
dieser Misere zu befreien.
Am nächsten Tag kamen unsere Verwandten, um uns auf dem Campingplatz zu besuchen. Da meinte mein Schwager, „ Ich weiß ja nicht, was ihr gestern gemacht habt. Als ich abends von der Arbeit kam, habe ich den Schlüssel genommen und die Tür zur Toilette ließ sich ganz normal öffnen.“
Nach diesem Erlebnis hatte mein Schwager ein Einsehen. Ein Jahr später war der Feuerdorn unter dem Toilettenfenster weg.

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